Veröffentlicht am Mittwoch, der 22. März 2017 von Mallorca Artà in Allgemein

Aus Farbe und Licht wird Tiefe. Den Traum objektivieren, Geist und Geheimnis sichtbar machen.
Peter Hohenadls Bilder scheinen die ästhetische Differenz zwischen Bewußtsein und Vergegenständlichung zu überbrücken.

Was wir uns vorstellen, was wir fühlen und denken, läßt sich nie eins zu eins in den engen Mantel der Realität zwingen.
In den mit hellen, warmen Farben gemalten Bildern wird die geistige Energie zu organischen Formen, die man glaubt, fassen zu können. In diesem Moment des Betrachtens wird man sich dieser Energie bewußt und fällt gleichsam in die Kluft zwischen den wahrgenommenen Dingen unserer Welt und der Vergeistigung in unserem Bewußtsein.

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Artikel auf der Homepage von Juettner-artà.de - Leben in Artà Mallorca

Lebenträume eines Autodidakten

Besuche im Informationszentrum der „Estació“ sind Figaro längst zur lieben Gewohnheit geworden, allein schon der im vierzehntägigen Rhythmus wechselnden Ausstellungen junger Künstler und Autodidakten wegen, denen der kommerzialisierte Kunstbetrieb in Palma kaum die Chance zur Selbstdarstellung einräumt. Selten aber hat ihn in den letzten Jahren dort eine Ausstellung so beeindruckt wie die des Wahl-Artanensers Peter Hohenadl. Die expressionistische Ausdruckskraft seiner Bilder, die Dynamik surrealer Formen und die Energie der warmen Farben schlagen den Betrachter im lichtdurchfluteten Raum der ehemaligen Bahnhofshalle in ihren Bann.

Wir sind am Gegenpol des rationalistischen Kalküls minimalistischer Abstraktion, ohne dass die bei aller Vielfalt auch rekurrenten Gesichter und Körper darum auch nur im Geringsten die Gewissheit des vertraut Figürlichen vermitteln. Zu onirisch, zu traumhaft wirken die organischen Formen, zu geheimnisvoll die aus Farbe und Licht entstehende Tiefe dieser Bilder. Auch ihre Titel Die Sein-Form im Wandel des Lichts, Zehntausend Meter unter dem Meeresspiegel, Die Transformation … – weit entfernt von jeder Form avantgardistischer Spielerei – signalisieren hinter der materiellen Präsenz gemalter Materie die Dimension einer befreienden geistigen Botschaft.

Ausstellungsruam im alten Bahnhof von Artà – 

Im Gespräch mit dem Künstler fand Figaro seine Vermutung bald bestätigt. Geduldig und dankbar zugleich lenkte dieser die tastenden Fragen des Laien immer neu auf sein Anliegen einer Materialisierung geistiger Energie über das in seinen Bildern so typische Fließen organischer Formen. Diese – in der Sicht des Künstlers – „Zellen“ im unendlichen Netzwerk vorgezeichneter Energieströme seien gleichsam die Voraussetzung einer beglückenden Erfahrung der Entäußerung des Individuellen in einem universalen, kosmischen Bewusstsein.

Und dabei fuhren die Hände des Meisters über die Leinwand seiner Ölgemälde, als ließe sich die angestrebte Explosion geistiger Energie in immer neuen unvermuteten Formen fassen.

Derweil überließ Figaro sich ganz der ästhetischen Dynamik der Bilder. Getragen von der markanten Pinselführung, die ihn unwillkürlich an die Bewegungen einer von der Strömung gesteuerten Algenbank erinnerte, war er für skeptische Nachfragen einfach zu ergriffen. Tage später im Atelier des Malers in der Carrer Rafel Blanes dieselbe Erfahrung der Kapitulation: diesmal vor der beeindruckenden Vielfalt und Fülle dieser immer neuen Suche nach jener Objektivierung des Traums vom befreiten Bewusstsein…

Es scheint, als hätte der in München gebürtige Autodidakt nach langen Jahren der Odyssee in Deutschland und Spanien hier in Artà endlich das Umfeld gefunden, um mit der nötigen Gelassenheit und Ernsthaftigkeit seinem Anliegen kreativ Ausdruck zu verleihen. Ob indes ein solch expressionistischer Symbolismus weiter an Kraft und Profil gewinnen kann, hängt ein Stück weit auch von der Anerkennung ab, die Peter Hohenadl zuteil wird. Artà jedenfalls bietet ihm schon bald mit einer Ausstellung im Kulturhaus Na Batlessa eine weitere Chance. Er hat sie – weiß Gott – verdient.    

 

Autor: Der Figaro des Nordens